Auftaktveranstaltung am 24.02.2016

Einladung

 

Klimaschutzkonzept für die Verbandsgemeinde Bad Bergzabern

Positive Aufbruchstimmung zum Auftakt

(Lk) Großen Zuspruch gab es für die Auftaktveranstaltung zur Erstellung des Klimaschutzkonzeptes für die Verbandsgemeinde Bad Bergzabern am Mittwoch, 24. Februar 2016, in der Schloßhalle Bad Bergzabern. Gut 120 Vertreter von Vereinen, Verbänden, Energieversorgern, Unternehmen, Ingenieurbüros, Banken, Schulen sowie viele politische Vertreter aus dem gesamten Bereich der Verbandsgemeinde Bad Bergzabern waren anwesend.

Bürgermeister Hermann Bohrer freute sich über diesen breiten Querschnitt der aktiven Bevölkerung. „Mit Ihrer Hilfe und Unterstützung werden wir in einem Zeitraum von sieben Monaten unser Potenzial entdecken und sicher ein gutes Konzept für unsere Verbandsgemeinde erstellen“, zeigte er sich sichtlich gespannt auf die Entwicklung. Extreme Starkregen und damit verbundene Hochwasserereignisse, langanhaltenden Hitzeperioden und anderen Wetterextreme treten auch in der Region immer häufiger auf und zeigen immer deutlicher, wie notwendig es ist, den Klimaschutz vielfältig zu thematisieren.

Diplombiologe Christoph Weinmann, REE-Mix GmbH LandauGmbH (Regionale Erneuerbare Energien) wird als Projektleiter den Prozess in der Verbandsgemeinde Bad Bergzabern begleiten und als Koordinator fungieren.

Prof. Dr. Karl Keilen vom Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz sprach zum Thema „Herausforderungen des kommunalen Klimaschutzes“. Er betonte, dass mit der Erarbeitung und Umsetzung eines Klimaschutzkonzeptes sich die Verbandsgemeinde Bad Bergzabern zusammen mit ihren Ortsgemeinden den Herausforderungen Klimaschutz/Emissionsminderung, Energiesicherheit/Friedenssicherung und der Stärkung der örtlichen Wertschöpfung stelle. „Wir müssen etwas bringen!“, so sein dringender Appell angesichts des bereits stattfindenden Klimawandels. Fossilenergiefreies Bauen sowie emissionsfreier Verkehr solle damit zum Ziel gesetzt und verstärkt auf Sonnenenergie gesetzt werden. Mit der Minderung des Imports von Öl, Gas und Steinkohle könne seiner Meinung nach auch der Finanzierung von Krieg, Terror, Gewalt und Vertreibung entgegengewirkt werden und somit ein wichtiger Beitrag zur Bekämpfung der Fluchtursachen erbracht werden. Dazu gab es spontanen Beifall aus dem Publikum.

Mit ihrem Vortrag zum Thema „Wie funktioniert kommunaler Klimaschutz in der Praxis?“ stellte Dipl. Ing. Elke Reimer von der Energieagentur Rheinland-Pfalz die Wichtigkeit des Klimaschutzes insbesondere für den heilklimatischen Kurort Bad Bergzabern und sein Umland in den Fokus. Die Energieagentur RLP ist eine landesweite Plattform für die Energiewende in Rheinland-Pfalz und bietet neutrale, unabhängige und kostenlose Informationen an. Fortschritte der Energiewende werden im Energieatlas dokumentiert und sind unter www.energieatlasrlp.de einzusehen. Stets auch kommende Generationen im Blick, werden umfassende Schulungen für Kommunen, soziale Einrichtungen und Bürger, insbesondere auch für Kindergärten und Schulen angeboten, damit schon früh bei den Heranwachsenden der Klimaschutz im Bewusstsein verankert wird. Es gibt für Hausbesitzer Fördermittelberatung bzw. Unterstützung bei der Antragstellung, Energiesparworkshops und viele Vorträge und Beratungen zu Themen wie „Auswahl einer geeigneten Heizungsanlage“, „Lohnt sich eine Photovoltaik - Anlage auf dem eigenen Dach?“, „Algen, Schimmel, Brandgefahr – was ist dran an den Vorwürfen gegen die Wärmedämmung?“, „ Fahrplan energetische Gebäudesanierung – wie geht man vor? Worauf kommt es an?“ u. v. a. m. Ein besonderes Angebot stellt die so genannte Energiekarawane dar, eine individuelle kostenlose Beratung vor Ort, deren Durchführung allerdings zuvor von den politischen Gremien beschlossen werden muss.

Projektleiter Christoph Weinmann informierte, dass als Wiedererkennungszeichen für alles rund um die Entwicklung des Klimaschutzkonzeptes für die Verbandsgemeinde Bad Bergzabern ab sofort ein Logo in Kreisform dienen wird, auf der die Verbandsgemeinde mit ihren 21 Gemeinden als Teil der Weltkugel stilisiert dargestellt ist mit dem Appell, den Klimaschutz und die Energie für morgen stets im Blick zu haben.

Umweltwissenschaftler Dr. Stefan Jergentz von der Universität Koblenz/Landau und gleichzeitig Geschäftsführer der REE-Mix GmbH (Regionale Erneuerbare Energien) beleuchtete aus wissenschaftlicher Sicht die Frage „Warum wir regionale Klimaschutzkonzepte brauchen“. Nüchtern betrachtet seien die ökologischen Belastungsgrenzen überschritten, der Klimawandel nicht mehr umkehrbar. Umso mehr sei es wichtig zu lernen, damit umzugehen und darauf zu reagieren. Um das globale Ziel, die Erderwärmung auf unter 2 Grad zu begrenzen, müssen 80 % der fossilen Ressourcen im Boden bleiben. National muss das Ziel der Steigerung des Anteils der erneuerbaren Energien fest im Blick sein. 2014 lag dieser bei 27,8 % und soll bis 2050 auf 80 % wachsen. Gründe für ein kommunales Klimaschutzkonzept gibt es daher genügend, vor allem, da waren sich alle Referenten einig, das Bewusstsein der gesamten Bevölkerung zu wecken und eine gute Vernetzung zu erreichen.
Dr. Jergentz stellte einen Maßnahmenkatalog zur Erstellung des Klimaschutzkonzeptes vor. Am Anfang wird eine detaillierte Energie- und CO2-Bilanz stehen. Es folgt die Potenzialanalyse, konkret auf die Verbandsgemeinde Bad Bergzabern bezogen. Hier werden Erneuerbare Energien, Effizienz und Einsparmöglichkeiten benannt. Damit kann weiter eine gezielte Beteiligung der Bürger erfolgen und es können konkrete Maßnahmen formuliert werden. Die Umsetzung wird danach in verschiedenen Zeiträumen immer wieder überprüft werden. Mittels Presseartikeln, Aktionen, Informationen auf der Homepage der Verbandsgemeinde u. a. m. wird die Öffentlichkeit über den Verlauf informiert. „Die Akteursbeteiligung ist in dieser Phase enorm wichtig“, so der Umweltwissenschaftler. „Denken Sie sich Maßnahmen aus, seien Sie kreativ, Klimaschutz soll anfassbar sein“, ermutigte er im Hinblick auf die jetzt beginnende Phase.

Projektleiter Christoph Weinmann bündelte schließlich in seinem Vortrag die Zielsetzung des nun anlaufenden Prozesses. Es sollen strategische Handlungsansätze für den lokalen Klimaschutz benannt werden, ein Energieaktionsplan für die Verbandsgemeinde Bad Bergzabern erstellt werden mit den Schwerpunkten „Wo kann Energie eingespart werden?“, „Wie und wo kann Energie lokal und klimafreundlich erzeugt werden?“ Kein CO2, kein Atomstrom. Der Prozess soll transparent laufen, die Bevölkerung wird offen über laufende Entwicklungen informiert und man ist im Akteursrat offen für Mitwirkung. Die Bürgerbeteiligung spielt hier eine große Rolle. „Energieeinsparung die größte Energiequelle“, das soll im allgemeinen Bewusstsein verankert werden.

Ronnie Forstner wird als Mitarbeiter der Verwaltung für den Akteursrat direkter Ansprechpartner vor Ort sein.

Geplant sind zwischen März und Juni vier Treffen des Akteursrats, im April eine Exkursion und im Juni ein großes Bürgerforum. Im September wird das Ergebnis in der Abschlussveranstaltung bekannt gegeben. Aus den Reihen der Zuhörer wurden einige Fragen und Anregungen aufgenommen und Bürgermeister Hermann Bohrer schloss die Veranstaltung mit der Hoffnung, dass viele richtig Lust bekommen haben, sich kreativ an der Entwicklung des Klimaschutzkonzeptes zu beteiligen und die Verbandsgemeinde sich zu einer klimafreundlichen Kommune entwickelt.

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